Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Jury, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,

ich freue mich sehr, heute hier stehen zu dürfen, um über ein Thema zu sprechen, womit wir uns mehr und mehr beschäftigen sollen. Es ist die Macht der Rhetorik.

PAUSE!!!

Ein Wort. (PAUSE!!!) Nur ein einziges Wort.

Und doch kann es heilen. Oder verletzen. Aufbauen. Oder zerstören.

Worte sind unsichtbar und dennoch schwerer als Stein. Man kann sie nicht sehen, nicht anfassen, nicht wiegen. Und doch tragen wir manche ein Leben lang mit uns. Ein beiläufig gesagter Satz kann sich tiefer eingraben als jede sichtbare Wunde.

Was ist das für eine Macht, die wir täglich gebrauchen oft, ohne es zu bemerken?

Es ist die Macht der Rhetorik.

Wenn wir von Rhetorik hören, denken wir häufig an große Bühnen, an politische Reden, an historische Momente. Wir denken an Persönlichkeiten wie Barack Obama oder Martin Luther King Jr., deren Worte nicht nur gehört, sondern gefühlt wurden Worte; die Hoffnung entfachten, die Mauern ins Wanken brachten, die Geschichte schrieben.

Doch die wahre Macht der Rhetorik beginnt nicht im Scheinwerferlicht. Sie beginnt im Alltag. In Klassenzimmern. In Familien. In Freundschaften. In einem einzigen Satz, der scheinbar nebensächlich ist  und doch alles verändern kann.

„Du bist nicht gut genug.

„Ich glaube an dich.“

Zwei Sätze. Zwei Realitäten.

Und genau hier zeigt sich das Entscheidende: Rhetorik ist nicht bloß das geschickte Aneinanderreihen von Wörtern. Rhetorik ist die Kunst, Wirklichkeit zu formen. Denn Worte beschreiben nicht nur die Welt : sie erschaffen sie.

Besonders deutlich wird die Macht der Rhetorik, wenn wir auf uns selbst blicken. Unser Selbstbild, dieses fragile Konstrukt aus Gedanken, Erinnerungen und Überzeugungen, entsteht nicht im luftleeren Raum. Es formt sich in Worten. In Sätzen, die wir hören. In Botschaften, die immer wieder wiederholt werden, bis sie vertraut klingen. Sprache beschreibt nicht nur unsere Wirklichkeit ,sie beeinflusst, wie wir sie sehen.

Als Kinder hören wir zu. Wir nehmen auf. Wir speichern. Die Art, wie über uns gesprochen wird, wie über Erfolg, Angst, Stärke oder Schwäche gesprochen wird, hinterlässt Spuren. Worte werden zu Deutungen, Deutungen zu Überzeugungen. Rhetorik wirkt dabei oft leise, fast unbemerkt, und gerade deshalb so stark. Sie kann Mut geben oder Zweifel säen, Hoffnung wecken oder Grenzen ziehen.

Und irgendwann geschieht etwas Entscheidendes: Die Stimmen von außen verstummen nicht einfach , sie ziehen nach innen um. Fremde Worte werden zu vertrauten Gedanken. Formulierungen werden zu inneren Überzeugungen. Und so wird aus der Sprache, die uns umgibt, nach und nach die Stimme, mit der wir selbst über uns denken.

Denn wenn man einem Menschen oft genug sagt, er sei schwach, beginnt er, an seiner Stärke zu zweifeln.

Wenn man ihm oft genug sagt, er sei wertvoll, beginnt er, seinen Wert zu erkennen.

Wenn man ihm oft genug sagt, er sei unsichtbar, beginnt er, sich selbst zu übersehen.

So wird Sprache nun zur Identität.

Diese Entwicklung geschieht nicht plötzlich, sondern leise. Sprache schreit selten : sie flüstert. Tag für Tag. Satz für Satz. Gedanke für Gedanke. Und gerade weil sie so leise wirkt, unterschätzen wir sie.

In unserer heutigen Zeit erhält diese leise Macht jedoch eine neue Dimension. Wir leben in einer digitalen Welt, in der Worte und Bilder uns ununterbrochen erreichen. Plattformen wie Instagram oder TikTok sind keine neutralen Räume. Sie sprechen zu uns : in Trends, Kommentaren, Hashtags und perfekten Inszenierungen. Sie vermitteln Ideale. Sie setzen Maßstäbe. Sie erzählen uns, wie wir aussehen sollen, wie wir leben sollen, wer wir sein sollen.

Und während wir vergleichen, während wir scrollen, während wir uns messen, geschieht etwas Entscheidendes: Wir beginnen, uns selbst durch die Sprache anderer zu bewerten.

Nicht gut genug.

Nicht schön genug.

Nicht erfolgreich genug.

Es ist eine Rhetorik des Mangels. Und sie wirkt.

Doch genau an diesem Punkt eröffnet sich eine andere Perspektive. Denn wenn Worte uns formen können, dann können wir lernen, sie bewusst zu wählen. Wenn Rhetorik Wirklichkeit erschafft, dann tragen wir Verantwortung für die Wirklichkeit, die wir erschaffen  im Außen und im Inneren.

Damit rückt eine Frage in den Mittelpunkt, die oft übersehen wird: Welche Worte richten wir an uns selbst?

Die vielleicht wichtigste Rede unseres Lebens halten wir nicht auf einer Bühne. Wir halten sie in unserem Kopf.

Was sagen wir zu uns, wenn wir scheitern?

Was sagen wir zu uns, wenn wir Angst haben?

Sagen wir: „Ich bin ein Versager“?

Oder sagen wir: „Ich bin ein Mensch, der lernt“?

Zwischen diesen beiden Sätzen liegt kein kleiner Unterschied. Zwischen ihnen liegt ein ganzes Leben.

An dieser Stelle wird deutlich: Rhetorik ist niemals harmlos. Sie kann manipulieren.

Sie kann polarisieren.

Sie kann zerstören.

Aber sie kann auch stärken.

Sie kann verbinden.

Sie kann befreien.

Sie kann einem Menschen das Gefühl geben, gesehen zu werden.

Sie kann ihm Mut schenken, wenn er zweifelt.

Sie kann ihm ein neues Bild von sich selbst ermöglichen.

Denn wir sind sprachliche Wesen. Wir denken in Worten. Wir fühlen in Worten. Wir träumen in Worten. Deshalb tragen Worte Verantwortung . ob wir wollen oder nicht.

Und daraus folgt eine letzte, entscheidende Frage: Wie wollen wir diese Verantwortung nutzen?

Jeder von uns ist Redner. Jeden Tag. Mit jedem Satz.

Die Frage ist nicht, ob unsere Worte Wirkung haben.

Die Frage ist, welche.

Errichten wir Mauern  oder bauen wir Brücken?

Säen wir Zweifel  oder pflanzen wir Vertrauen?

Verkleinern wir Menschen oder lassen wir sie wachsen?

Die Macht der Rhetorik ist real. Sie ist leise und gewaltig zugleich. Sie entscheidet darüber, wie wir andere sehen und wie wir uns selbst sehen. Sie kann uns klein halten. Oder sie kann uns größer machen, als wir es je für möglich gehalten hätten.

Am Ende sind Worte keine bloßen Laute. Sie sind Samen. Und was wir säen, wird wachsen.

Deshalb sollten wir achtsam wählen.

Achtsam sprechen.

Achtsam denken.

Und nun meine Damen und Herren , bedanke ich mich bei Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und freue mich , diesen Gedanken mit Ihnen geteilt zu haben.

P.B. (5A)


Sag's Multi 2022: Fatima Zehra

Hab keine Angst, zu sein, was du bist

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Jury,

Ich habe eine Frage an Sie. Wer kennt die Präsidenten dieser Welt nicht? 
Die Personen, die uns und die unsere Länder regieren. Ich glaube, fast alle von Ihnen, aber schauen wir mal: 

 

·        Präsident der Vereinigten Staaten Amerikas: Joe Biden

 

·        Präsident Russlands: Putin

 

·        Präsident der Volksrepublik China: Xi Jinping  

 

·        Präsident von Frankeich: Emmanuel Macron

 

·        Premierminister Englands: Boris Johnson

Ich könnte jetzt fünf Minuten lang Namen von Männern aufzählen, lauter Männer.

Ich aber stehe hier vor Ihnen als eine junge Frau, stark und selbstbewusst. 
Ich bin Fatima Zehra Genckan und bin 16 Jahre alt. Mein Thema ist “Hab keine Angst, zu sein, was du bist“.

Simdi sizlere bes dakika boyunca o adamlarin isimlerini sayabilirim. Ama ben burada karsinizda bir genc kiz olarak duruyorum, güclü ve özgüvenli bir sekilde.

Benim adim Fatima Zehra Genckan 16 yasindayim ve “Kim oldugundan korkma“ konusu hakkinda konusucam.

Ich würde gerne Ihr Interesse auf folgendes Thema lenken: Verletzung der Frauenrechte. Es scheint mir so, als würde man das Thema oft unter den Teppich kehren. Weltweit erleben 35 von 100 Frauen körperliche oder sexuelle Gewalt durch ihren Partner. Immer wieder werden Frauen von ihren Ehemännern getötet. 137 Frauen pro Tag werden von einem nahen Verwandten oder Familienmitglied getötet. Nur 40 Prozent der Frauen, die weltweit Opfer von Gewalt geworden sind, können Hilfe suchen. Es ist ein wirklich beängstigendes Bild.  Warum passiert das? Weil sich außer Frauen selbst scheinbar niemand für die Rechte der Frauen interessiert.

Şimdi sadece kadınların anlıyacağı cümleler duyucaksınız ve maalesef bu cümleleri küçücük kız çocuklarıda anlıyacak. Mesela„ Düzgün otur, erkeklerle konuşma, onu giy bunu giyme, sen kızsın otur yerine, o erkek o yapar, elinin hamuruyla erkek işine karışma, sen çalışamazsın, Kadın kısmı okumaz, yemek yap, sofrayı hazırla, evi temizle… Bunun gibi kalıplaşıp tüm kadınların ve kız çocuklarının omuzlarına yük olmuş ve günümüzde de hala devam eden cümleleri akşama kadar sıralayabilirim. Ama sizcede yetmedi. Biz gece vakti korkmadan evimize varabilmek, eğer istiyorsak kimseden izin almaya ihtiyacımız olmadan eğlenmeye çıkmak istiyoruz. 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

ich möchte mich heute für die Rechte von Frauen in Österreich und in allen Ländern aussprechen. Ich möchte meine Stimme dafür erheben, dass ich im Jahr 2022 keine Angst haben muss, zu sein, was ich bin. 

 

Zu Beginn meiner Rede habe ich die Namen von fünf sehr bekannten Männern genannt. Jetzt möchte ich noch einmal fünf Namen nennen. Diesmal die Namen von fünf unbekannten Frauen.

 

·        Özgecan Aslan (19)

 

·        Emine Bulut (38)

 

·        Münevver Karabulut (18)

 

·        Sinem Yurdanur (20)

 

·        Gülay Şimşek (27)

 

Was haben diese Frauen gemeinsam? Sie alle wurden in der Türkei ermordet. Sie wurden die Opfer von sogenannten Femiziden.

 

Ich begrüße die Bemühungen der österreichischen Politik, Gewalt an Frauen in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu bringen. Man findet Plakate zu dem Thema auf den Straßen und Hinweise in den Printmedien. Prominente stellen sich in den Dienst der Sache und treten gegen häusliche Gewalt auf.

 

Avusturyalı politikacıların kadınlara yönelik şiddeti kamuoyunun gözüne sokmak için gösterdikleri çabaları memnuniyetle karşılıyorum.  Sokaklarda konuyla ilgili afişler, yazılı basında duyurular bulabilirsiniz.  Ünlüler kendilerini davanın hizmetine sunuyor ve aile içi şiddete karşı tavır alıyor.

 

Man hat den Eindruck, dass das Problem durch die Pandemie noch verstärkt worden ist. Sehr viele Menschen haben sehr viel Zeit auf engstem Raum zu Hause verbracht. In dieser Situation sind sehr häufig Konflikte eskaliert. Es hat viel Gewalt gegeben.

 

Sorunun pandemi tarafından daha da kötüleştiği izlenimi edinilir.  Birçok insan evde kapalı bir alanda çok zaman geçirdi.  Bu durumda, çatışmalar çok sık tırmandı.  Çok fazla şiddet yaşandı.



Die Menschen müssen lernen, mit Aggressionen anders umzugehen. Frauen müssen lernen, sich nicht alles gefallen zu lassen und sich zu wehren.  Kämpfen wir für eine Zukunft, in der Gewalt gegen Frauen und Kinder keinen Platz mehr hat. Ich selbst werde mich gegen diese Gewalt engagieren. Diese Rede, die ich heute halte, soll ein erster Schritt dazu sein.

 

Sehr geehrte Damen und Herren, vielen Dank, dass Sie mir zugehört haben.

 

F.G(6A)